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Yak – Feinstes Geschrammel aus dem UK

„Harbour the Feeling“ ist der Track über den ich zufällig gestolpert bin (danke an Spotifys „Mix der Woche“!) und der aufgrund seiner Schrammeligkeit und Energie direkt zu meiner Playlist hinzugefügt wurde. Als ich einige Wochen später auf der Suche nach interessanten Konzerten in München über die Ankündigung stolperte, dass Yak ins Feierwerk kommen würden, musste ich nicht lange überlegen: zwei Tickets für mich und eine ebenfalls für Neues offene Begleitung geordert und meinem ersten Konzert in München stand nichts mehr im Wege.

Akkreditierung mit Hindernissen

Da ich coole Fotos für euch machen wollte, habe ich mich im Vorfeld als Presse akkreditieren lassen. Dies gestaltete sich allerdings etwas schwieriger als erwartet. So wurde ich von der PR-Managerin des Feierwerks erstmal zum Label Propeller Music verwiesen, das mich jedoch mit dem Hinweis, dass es nur für die Akkreditierung lokaler Printmedien zuständig wäre, weiter schickte. So einfach aufgeben wollte ich allerdings nicht, also fragte ich direkt bei Rough Trade in London nach. Der zuständige Manager verwies mich noch einmal weiter an Yaks Tourmanager und dann war es eeeeendlich geschafft: Ich hatte die hochoffizielle Erlaubnis Fotos schießen zu dürfen. Yeah!

Auf ging es also zum Feierwerk beziehungsweise der dazugehörigen Konzert-Location, dem Orangehouse. Auf der Webseite des Feierwerks heißt es:

Das Feierwerk unterstützt junge Münchner Kunst, Musik und Kultur – und das seit nunmehr über 30 Jahren! Unsere Grundhaltung ist, ohne Dogma und Ideologie verschiedenartige Kulturen in ihrer Eigenständigkeit und Dynamik zu unterstützen und dabei ständig selbst neue Anregungen aufzunehmen. Wir ermöglichen und fördern Zugehörigkeit, auch unabhängig von Alters- und Generationsgrenzen. Darum sind alle unsere Veranstaltungen und Angebote offen für verschiedene Milieus, Kulturszenen und Altersgruppen.

Das Feierwerk ist übrigens auch Sitz der Fachstelle und Informationsstelle Rechtsextremismus, die aktuelle Entwicklungen in der regionalen rechtsextremen Szene dokumentiert, um den Rechten Raum und Entfaltungsmöglichkeiten zu nehmen. Sehr unterstützenswert, wie ich finde.

Voller Vorfreude im Orangehaus eingetrudelt, gab es jedoch erstmal einen kleinen Dämpfer: Die Menschen am Eingang wussten von nichts und hatten mich nicht fürs Fotos schießen vorgemerkt. Eine never ending story, diese Akkreditierung. Also nochmal den Namen des zuständigen Rough-Trade-Managers gedroppt, mit seiner E-Mail gewedelt, gewartet, gewartet und noch ein bißchen gewartet… Und schließlich: Halleluja. Ich und meine Spiegelreflex durften eintreten in die heiligen Hallen.

Zoo Escape: Frontmann mit Feuer unterm Poppes

Das Orangehouse erweckt in mir Assoziationen an kleine, holzgetäfelte Kneipen mit Tanzfläche wie man sie im Pott häufig findet – ich fühle mich direkt heimisch. Der Name der Location wurde wohl aufgrund der orangen Wandfarbe und Beleuchtung gewählt. Ergibt Sinn. Ein Blick in die Runde verrät mir: Ich gehöre zu den Älteren hier. Um mich herum durchschnittlich 20-Jährige, die Freunde und Bekannte der ebenfalls sehr jungen Vorband Zoo Escape zu sein scheinen. Ein Blick auf die Webseite der Vorband weckt große Erwartungen:

Zoo Escape plays Suicide Pop. (…) Suicide Pop – c’est quoi? Stell Dir vor, Brecht und Adorno wollten schon immer einmal eng umschlungen tanzen, aber bislang konnten sie sich nie auf einen Sound einigen.

Soso, Musik wie eine Melange aus Adorno und Brecht also. Ich kann mir ein Grinsen beim Blick auf die aufgeregten Anfang 20-jährigen Jungs hinter dem Merch-Stand nicht verkneifen, die eher nach verwöhnten Gymnasiasten als nach an kritischer Theorie interessierten Punks aussehen. Meine Meinung ändert sich schlagartig als Zoo Escape loslegt und Sänger Marc Villon die Bühne betritt.

Deutlich sieht man, an welchen stilistischen Einflüssen sich Villons Performance orientiert. Ein wenig Sid Vicious, ein wenig Morrissey in jungen Jahren… Auch wenn mich der Sound der Band und die Performance der übrigen Mitglieder nicht vom Hocker reißt, macht der Sänger den Auftritt der Band zu einem unterhaltsamen Spektakel. Mal springt er durchs Publikum, schmeißt mit Konfetti um sich, spielt mit homoerotischen Gesten. Mit einer für sein Alter beeindruckenden Selbstsicherheit zieht er den Auftritt durch. Nicht schlecht! Nach ein paar Songs und einem Blick ins eher zurückhaltende Publikum merkt er an: „Ich versteh euch ja. Verwöhnte Gymnasiasten! Und unsere Songs haben auch alle den gleichen Beat!“, und bringt mich damit zum Lachen.

So viel Selbstkritik macht sympathisch. Nach ihrem Auftritt habe ich die Chance ein wenig mit Marc Villon zu quatschen, der übrigens ein eher schüchterner Typ zu sein scheint, wenn er nicht auf der Bühne steht. Villon scheint sich wirklich über mein Lob seine extrovertierte Performance betreffend zu freuen und wir stellen fest, dass unsere Familien in der gleichen Stadt im Pott wohnen. Sachen gibt’s! Die Jungs nehmen übrigens momentan eine Japan-Platte auf. Witzige Idee. Ich werde reinhören.

Yak ohne viel Schnickschnack

Endlich geht es weiter mit Yak. Ein Blick um mich herum verrät mir: Mittlerweile sind auch ein paar Menschen meines Alters im Publikum vertreten, das Geschlechterverhältnis hält sich die Waage, ich sehe ein paar Hipster-Goths, einige Metal-Fans und überwiegend Menschen, die Spaß haben und die Musik genießen wollen. Sofort steigt das Trio um Sänger Oliver Henry Burslem voll in die Performance ein: Laut, schrammelig und treibend.

Etwas Strobolicht, wenig Schnickschnack drum herum. So gefällt mir das.

Etwas Strobolicht, wenig Schnickschnack drum herum. So gefällt mir das.

Auch hübsch anzusehen: Burslems pinkes Trucker Cap in Kombination mit einer hellbraunen Vintage-Windleder-Jacke.

Auch hübsch anzusehen: Burslems pinkes Trucker Cap in Kombination mit einer hellbraunen Vintage-Windleder-Jacke.

Das Equipment ist ein Augenschmauß. Ein wahres Schmankerl. A Gaudi für die Augen. (Na, kling' I schon wie a richt'ge Bayerin?)

Das Equipment ist ein Augenschmauß. Ein wahres Schmankerl. A Gaudi für die Augen. (Na, kling' I schon wie a richt'ge Bayerin?)

Insgesamt eine Super-Performace, die ca. eine Stunde dauert. Das komplette neue Album wird (wohl mangels Alternativen, da dies das erste Studioalbum der drei ist) plus den drei im Jahr 2015 veröffentlichten Singles einmal durchgespielt. Verzerrte Gitarrenriffs, ineinander überfließende Songs. Wenig Show, wenig Interaktion mit dem Publikum, aber das schadet der Qualität des Auftritts nicht. Die drei wissen, wie sie mit ihren Instrumenten umgehen müssen und haben offensichtlich Spaß am Spielen. Das merkt auch das Publikum und wird (zumindest teilweise – die Hipster in den hinteren Reihen schauen nur) zum Tanzen animiert. Am Schluss noch eine kurze Zugabe von zwei Songs und dann ist die Show vorbei.

Seit diesem Auftritt läuft „Alas Salvation“ bei mir hoch und runter und gefällt mir immer besser. Trotzdem bin ich gespannt, was München konzerttechnisch noch noch so zu bieten hat. Bei meinen Recherchen habe ich schon den einen oder anderen Act gesichtet, den ich in der nächsten Zeit definitiv für euch reviewen werde. Ihr dürft gespannt sein 🙂

Habt ihr Tipps, welche Konzerte ich auf keinen Fall verpassen darf? Immer her damit!

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http://notjanina.com/2016/10/15/yak-feinstes-geschrammel-aus-dem-uk/

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