Konzert Review die Zweite: All Them Witches

Nach einem Wochenende voller Kräutertee, jämmerlichem vor-mich-hin-Husten und Rumgeschniefe war es an der Zeit, endlich mal wieder das Haus zu verlassen. Und definitiv Zeit für eine Konzert Review. Ich hoffte auf die heilenden Hexenkräfte von All Them Witches (und Gerstensaft) und wurde nicht enttäuscht. Nach der Arbeit schnell in mein liebstes Konzert-Outfit (bestehend aus schwarz kombiniert mit schwarz und schwarz) geworfen und auf ging es zum Backstage in der Reitknechstraße 6.
Da ich wie immer zu spät dran war, kam ich leicht gehetzt an und war erst einmal durcheinander: Zu welcher der fünf Locations auf dem Backstage-Gelände muss ich denn nun? Und wie finde ich meine Leute zwischen all den wild durcheinander wuselnden Hipstern? Zum Glück bemerkte ein Moustache-Mann mit Mütze meinen wohl doch ziemlich offensichtlich verwirrten Blick und winkte mich kurzerhand zu sich: „Du suchst All Them Witches, oder? Konzert is‘ in der Halle.“ Aha. Danke für die Info.
Glücklicherweise erspähte ich kurz darauf meine Begleiter und wurde erleuchtet: Neben dem größten Veranstaltungsbereich – dem Werk mit Platz für bis zu 1.200 Menschen – befinden sich auf dem Gelände noch eine Kneipe für Akustik-Shows, das Werkstatt-Studio und ein Club. Die „Halle“, in der das Konzert steigen sollte, bietet Platz für bis zu 350 Leute. Zudem gibt es noch einen mit Lichterketten aufgepimpten Außenbereich für die Raucherfraktion & Friends.

Funfacts zum Backstage München

Trotz einiger vom Lärm genervter Anwohner scheint ein Großteil der Münchner am Backstage zu hängen. So wurde Mitte 2016 eine Petition mit über 21.000 Unterschriften beim amtierenden OB Dieter Reiter für den Erhalt des Kulturzentrums eingereicht. Und wusstet ihr, dass das 1992 gegründete Backstage im Juli vom Metal Hammer bereits zum zweiten Mal zum besten Metal-Club der Republik gewählt wurde? Dabei wird dort gar nicht nur harter Knüppel-Metal und Alternative gespielt. So gibt es zum Beispiel auch eine Dancehall-Party, Hip Hop, 90er Trash… Und wusstet ihr, dass es nun schon wieder Trouble um den Club gibt, dieses Mal mit der Deutschen Bahn? Wusstet ihr nicht? Tja, nun seid ihr informiert.

The Great Machine: „Love is the greatest thing“

Los ging der Abend mit The Great Machine aus Tel Aviv. Mein absolutes Highlight: Ein sich entblößender, sehr hippie-esk wirkender, langhaariger Sänger mit runder Brille, der wieder und wieder ins Mikrofon schreit: „Love is the greatest thing, love will never die.“ Eher amüsant, aber sicherlich hat er recht. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, die Halle voll, die Stimmung super, alle freuen sich auf die vier Jungs aus Nashville, Tennessee. Es bleibt gerade Zeit für eine Zigarette im Biergarten und einen kurzen Abstecher zum Merch, da legen All Them Witches auch schon los.

All Them Witches: Stoner Rock aus Tennessee

Momentan sind All Them Witches auf großer Tour und spielen in den nächsten Tagen unter anderem noch in Antwerpen, Athen und New Orleans. Ergibt schon Sinn, dass die Band momentan gehyped wird und in ausverkauften Hallen spielt. Denn: Die Jungs wissen, was sie tun. Der Rockpalast sagt: „All Them Witches feuern hypnotische Riffs ins Publikum“ und „überraschen mit ausufernden Jams“. Ich sage: Ja, das mag stimmen. Aber bitte nervt mich nicht mit eurem Musikjournalist_innen-Sprech, liebe Leute vom WDR.
Eine moderne Adaption von 90er-Stoner-Grunge à la Silverchair zu besten Zeiten. Insgesamt viel Improvisation, wenig Show, dafür Spaß an der Musik und am Spielen. Das ist der Eindruck, den All Them Witches bei mir hinterlassen.
Da mein Konzert-Besuch eine Spontanentscheidung war, hat es mit der Akkreditierung dieses Mal leider nicht geklappt. Liebenswerterweise überwand jedoch einer meiner beiden sympathischen Begleiter seine Konzertfotografie-Aversion und knipste ein paar Bilder mit der Handykamera für mich, nachdem mein Handyakku nicht mehr mitspielen wollte. Wirklich lieb gemeint und sicherlich eine große Überwindung auf einem Konzert zu fotografieren, wenn es nicht zum eigentlichen Verhaltensrepertoire gehört. Herausgekommen sind dabei jedoch leider nur unscharfe, verwackelte Versuche, die stimmungsvolle Atmosphäre einzufangen. Schade eigentlich. Aber beim nächsten Mal schieße beglücke ich dich wieder mit wunderschönen Bildern – versprochen!

Welche Konzerte im Backstage sollte ich in der nächsten Zeit auf keinen Fall verpassen? Tipps, Anregungen, Wünsche? Her damit! 😉

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http://notjanina.com/2016/10/20/konzert-review-die-zweite-all-them-witches/

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