Feminismus für Anfänger*innen: eine kritische Reflektion

Kommentare und konstruktives Feedback zu meinem Blog sind eine gute Sache. So weiß ich*, dass meine Texte bei Menschen ankommen und sie tatsächlich etwas bewirken. Gedanken anstoßen, Diskussionen anregen. Leider ist es mir aufgrund verschiedener Umstände nicht immer möglich, auf Kommentare so zu reagieren, wie ich* es mir wünsche. Heute möchte ich* meiner feministischen Linksammlung beziehungsweise den Reaktionen auf diese Blogroll einen eigenen Beitrag widmen. Warum? Weil ich* bestimmte Vorwürfe nicht unkommentiert stehen lassen möchte. Sorry, dass meine Antwort so lange auf sich warten lassen hat. Doch selbst wenn es einige Zeit dauert: Ich* lese alle Kommentare und nehme mir das Feedback zu Herzen. Und ich* reagiere darauf.

Throwback: Worum geht es hier eigentlich?

Ende Februar habe ich* auf meinem Blog eine Liste mit zehn verschiedenen Blogs zum Thema Feminismus veröffentlicht. Der Titel: „Feminismus für Anfänger*innen: 10 Blogs für Leute, die (noch) keine Ahnung vom Thema haben“. Hier findet der*die Leser*in eine wilde Mischung aus Queerness, Body Positivity, Intersektionalität, Sexpositivismus und so weiter und so fort. In der Zusammenstellung tauchten unter anderem Die Störenfriedas auf – ein radikal-feministischer Blog, dessen selbsterklärtes Ziel es ist, zu „stören, auf[zu]rütteln und manches Mal auch [zu]verstören und vielleicht mit jedem Mal die Welt ein kleines bisschen besser [zu] machen“ (Zitat vom Blog der Störenfriedas).

Die Reaktionen auf meine Link-Zusammenstellung waren gemischt. Während einige sich darüber freuten, eine Liste unterschiedlichster Blogs zum Thema Feminismus zu finden, waren andere wenig angetan davon, dass auch die Störenfriedas einen Platz auf der Liste bekommen haben.

Reaktionen und Antworten

Das Ziel der wilden Zusammenstellung verschiedener Blogs war es, Menschen einen Überblick über das Thema Feminismus zu vermitteln. Damit richtet der Text sich, wie der Titel des Beitrags erahnen lässt, vorrangig an Feminismus-Noobs. Also an Leute, die Interesse an Feminismus haben, sich darüber informieren möchten, was das eigentlich bedeutet, Feminist*in zu sein und sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen möchten.

Sich „ernsthaft“ mit einem Thema zu beschäftigen, bedeutet für mich, einen Gegenstand in seiner Komplexität erfassen zu wollen. Anzuerkennen, dass gesellschaftliche Realitäten mehrdimensional sind. Es eben nicht die eine, ultimative Wahrheit gibt (wenn es sowas wie Wahrheit denn überhaupt gibt – aber dieses philosophische Fass öffne ich* an dieser Stelle mal nicht). Genauso wie es eben nicht die eine gesellschaftliche Wirklichkeit, sondern verschiedenste (Lebens-)Realitäten gibt, die sich durch unterschiedliche strukturelle Kategorien, sozioökonomische Einflüsse und individuelle Erfahrungen reproduzieren. Gesellschaft wird geprägt und entwickelt sich weiter durch das Auf und Ab verschiedenster gesellschaftlicher Diskurse, die teils gegensätzlicher nicht sein könnten – oder in anderen Worten: aufeinander clashenden Identitäten und damit verbundenen Weltansichten. 

Ich* spreche also bewusst von sozialen WirklichkeitEN. IdentitätEN. Und auch von Feminismen. Was mich zum nächsten Kommentar und zum Vorwurf führt, dass ich* auf meinem Blog unreflektiert Inhalte poste:

Als ich* mich dazu entschieden habe, den Störenfriedas einen Platz in der Liste feministischer Blogs zu geben, war dies eine bewusste Entscheidung. Denn: Es gibt nicht den einen Feminismus, sondern viele. Teilweise sind sie widersprüchlich und man muss definitiv nicht alle gut finden. 

Indem ich* die Störenfriedas mit in meine Blogroll aufgenommen habe, wollte ich damit zeigen, dass der Feminismus kein einheitliches großes Ganzes ohne Ecken und Kanten ist, sondern dass unterschiedliche feministische Strömungen existieren, die teils konträr zueinander sind. Hätte ich* nur Blogs aufgenommen, die Gedanken aufgreifen, die ich* persönlich unterstütze, hätte das kein (versucht) wirklichkeitsgetreues Abbild des Feminismus geliefert. Wie soll mensch sich eine fundierte Meinung bilden geschweige denn, eine eigene Position finden können, wenn man ihm*ihr nur eine Seite der Medaille präsentiert? Mein Motto: Verschiedene Feminismen zur Kenntnis nehmen oder sie zu liken und zu unterstützen sind zwei verschiedene Dinge. Klick dich durch, schau dir die Seiten an, informier‘ dich und bilde dir deine eigene Meinung!

Und nein: Ich* werde meinen Beitrag weder nachträglich überarbeiten noch in Zukunft davor zurückschrecken, auf Projekte wie das der Störenfriedas zu verweisen. Damit nehme ich* niemanden in Schutz oder will damit subtil andeuten, dass ich* die Inhalte auf der Seite der Störenfriedas bedingungslos unterstütze. Denn: Ich* lehne Transphobie und Sex-Work-Feindlichkeit ab. Ich* lehne es aber genauso ab, sich nicht umfassend über Themen zu informieren, bevor man sich eine Meinung bildet. Nur auf fundierter Grundlage sind konstruktive Diskussionen und gesellschaftlicher Wandel möglich.

Ich* freu mich über viel weiteren Austausch oder coole Links zu feministischen Seiten für meine nächste Blogroll 🙂

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http://notjanina.com/2017/04/17/feminismus-anfaengerinnen-kritische-reflektion/

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Was denkst du?

wenn diese linkliste für neueinsteigende sein soll, finde ich es verantwortungslos, sie unkommentiert auf blogs zu verweisen, die feindlichkeiten aussprechen, die diese personen, vielleicht nicht erkennen.

Hallo, und vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe das allerdings so, dass man den Leser*innen durchaus zutrauen darf, selbst zu denken. Und sich selbstständig eine Meinung zu bilden. Wie siehst du das? Viele Grüße 🙂

hey.
das sehe ich auch so.
allerdings hat das erst einmal nichts damit zu tun. auch nichts mit „der wahrheit“. das hast du ja dadurch aufgezeigt, indem du nicht „nur“ eine seite, sondern mehrere verlinkt hast.

wenn ich ein problem mit dem inhalt einer seite habe, dann bewerbe ich sie nicht. in dem fall geht es ja auch nicht um „kleinigkeiten“.

viele grüsze zurück

Hallo dir, hier möchte ich mal betonen, dass ich für dieses Listicle nicht bezahlt wurde. Ich „bewerbe“ also keine der Seiten, sondern biete einen Überblick über verschiedene Standpunkte. Tut mir leid, dass das nicht deutlich genug herausgestellt habe. Ich kann in dem Bereich noch einiges lernen, deshalb danke für die Kritik 🙂

[…] ich meinen ersten Schock überwunden hatte, musste ich lachen. Liebe akademische Feminist*innen. Mal abgesehen davon, dass ich es scheiße finde, auf mein Aussehen reduziert zu werden, frage ich […]