Gaslighting: Ein Abschiedsbrief an meine Liebe

Gaslighting

Hier sollte ein Text über ein Musikfestival stehen. Eine witzige, stellenweise leicht kritische Review vom Melt Festival 2017. In meinem Kopf stand der Text quasi schon, ich* hätte ihn nur noch aufschreiben müssen. Stattdessen schreibe ich* mal wieder über Gaslighting. Und über dich, meine*r Liebe*r.

Natürlich habe ich* die Wahl, mit welchen Themen ich* mich auf meinem Blog auseinandersetze. Und ob ich* meinen Samstagabend mit Schreiben über amüsante Themen verbringen möchte oder vielleicht sogar – oh, Schock! – etwas Spaßiges mache, dass nichts mit „vor dem PC sitzen“ zu tun hat.

Trotzdem sitze ich* hier und schreibe einen anderen Text als geplant. Drifte gedanklich immer wieder zu deinen letzten Nachrichten. Habe Bauchschmerzen und ärgere mich über mich selbst. Darüber, dass ich* über gewissen Dingen leider nicht so leicht drüberstehen kann, wie ich* gerne würde.

Es macht mich wütend, dass ich* mich nicht von dir lösen kann. Von einer Person, die immer wieder Unruhe und Drama in mein Leben bringt und mir in den vergangenen Monaten immer wieder wehgetan hat.

Außerdem macht es mich traurig. Und weckt keine guten Erinnerungen. Ich* habe Albträume – wegen dir. Weißt du das eigentlich, mein*e Liebe*r? Eines macht mich dein Verhalten allerdings nicht. Sprachlos. Wenn du davon ausgehst, dass ich* stumm ertrage, muss ich* dich nun leider enttäuschen.

Heute möchte ich* dir sagen: Ich* bin es leid. Denn, mein*e Liebe*r, wenn du das hier lesen solltest: Was du machst, ist nichts anderes als Gaslighting.

Gaslighting – du doch nicht. Oder?

Sicher ist: Viele Gaslighter – und ich* wage sogar zu behaupten ein Großteil von ihnen – sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie gaslighten – ich* gehe davon aus, dass sie sich tatsächlich im Recht fühlen. Und ich* bin fest davon überzeugt, mein*e Liebe*r, dass auch du vollkommen überzeugt davon bist, dass du dich richtig verhältst. Du denkst nicht darüber nach, was du momentan tust – das nehme ich* mir heraus, anzunehmen, nachdem ich* dich nun doch schon einige Zeit lang kenne. Meine These: Die Mehrheit der Täter*innen denkt, dass ihr Verhalten mit Blick auf ihre selbst wahrgenommenen erlittenen Verletzungen angemessen ist.

Egal, ob du nun – bewusst oder unbewusst und mit Spaß daran oder nicht – gaslightest, meine*e Liebe*r: Menschen, die andere, aus welchen Gründen auch immer, manipulieren, Grenzen verletzen und sich respektlos verhalten sind Arschlöcher. Punkt. Für grenzverletzendes Verhalten gibt es keine Entschuldigung. Keine einzige. Menschen, die psychische Gewalt anwenden, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, sind Täter*innen. Nichts anderes. Die physischen und psychischen Grenzen eines anderen Menschen sind zu akzeptieren. Immer.

Ein kurzer Reminder an mich selbst, aus aktuellem Anlass:

Versuchst du mich dazu zu bringen, Sachen zu tun, die ich* nicht machen möchte – bist DU das Problem – nicht ich*.

Jedes einzelne Mal, wenn du mich beleidigst oder ausrastest – bist DU das Problem – nicht ich*.

Oder wenn du versuchst, mir Schuldgefühle einzureden, um dein eigenes respektloses Verhalten zu rechtfertigen,

Wenn du mir das Gefühl gibst, das ich* krank bin und nichts wert,

Wenn du versuchst, mich unter Druck zu setzen,

Wenn du wütend wirst, weil ich* dich nicht zuhause treffen möchte/bei dir schlafen will/nachts kein spontanes Treffen mit dir will,

Wenn du ausrastest, weil ich Grenzen setze,

Wenn du mich auf der Arbeit mit Nachrichten bombardierst, obwohl ich* dich 1.000 Mal gebeten habe, das bitte nicht zu tun,

Wenn du deine Meinung über mich von einer Minute auf die andere komplett änderst und du kein Problem mit dieser Tatsache hast,

dann bist jedes einzelne Mal DU das Problem.

„Das habe ich nie gesagt!“

Hier eine wunderbare Zusammenstellung kürzlich gehörter Aussagen – oder auch: Dinge, die ich* nicht mehr hören will.


 Meine*e Liebe*r, falls du es nicht verstehst: Das ist ein Abschied.

Für alle anderen: Ein schöner Text über ein Musikfestival ist in meinem Kopf und kommt nächste Woche. Bis dahin 🙂

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http://notjanina.com/2017/08/05/gaslighting-abschiedsbrief/

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