Melt Festival: das deutsche Coachella?

Gräfenhainichen ist eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Sechs Stadtteile mit klangvollen Namen wie Zschornewitz und Schköna bieten knapp 12.000 Menschen ein Zuhause. Wenn du aus München kommst und hier, angelockt von einer der zahlreichen spannenden Sehenswürdigkeiten wie dem Buchdruckmuseum und der Paul-Gerhardt-Kapelle, ein Wochenende verbringen willst, bist du in ungefähr fünf Stunden am Ziel deiner Träume angelangt.
Hotels sind hier eher rar, aber dafür gibt es kleine Ferienwohnungen, die mit ihrem urigen 90er-Jahre-Charme inklusive abgewetzter blauer Plüschsofas, Buchen-Schrankwänden und Terracotta-Wischtechnik an den Wänden überzeugen. Wenn du auf das Buchdruckmuseum – unnachvollziehbarerweise – keinen Bock haben solltest, kannst du natürlich auch beim Melt Festival vorbeischauen.

Auf  dem seit 1999 stattfinden Festival tummeln sich jedes Jahr bis zu 20.000 Besucher*innen aus der ganzen Welt. Musikalisch bewegt sich „das Schmelzfest“, wie es von einigen liebevoll genannt wird – und was wohl den jedes Jahr wieder exorbitant hohen Temperaturen zum Festival-Zeitpunkt geschuldet ist – zwischen Techno und Indie. Ein bißchen Hip Hop ist auch dabei. Der Fokus liegt aber ganz klar auf elektronischer Musik. Dazu bekannte sich das Melt auch dieses Jahr wieder und stellte seine neu gestaltete Waldbühne, die Sisyphos Stage – in Partnerschaft mit dem Berliner Techno-Club Sisyphos – vor.

Melt Festival: Techno meets Indie meets Hip Hop

Die Stage liegt mitten in einem kleinen, liebevoll ausgeleuchteten Waldstück am Rande des Festival Geländes. Hier legen an diesem Wochenende unter anderem Yetti Meißner und Leon Licht auf. Nicht, dass ich* wüsste, wer diese Menschen sind. Denn eigentlich sind der Freund und ich* nicht wegen dem Techno-Lineup hier, sondern wegen Acts wie Kamasi Washington, M.I.A, Kate Tempest, Warpaint und natürlich Hercules & Love Affair. Trotzdem freue auch ich* als „Techno zum Tanzen Hörer*in und Nicht-Spezialist*in“ auf das B2B-Set von Âme und Rødhåd, Dixon und natürlich Modeselektor.

Melt Festival
Riesen-Diskokugel auf dem Festivalgelände

Im Gegensatz zu den Bühnen auf dem Hauptgelände mitten in der Stadt aus Eisen – einem ehemaligen Tagebau mit fünf gigantischen Baggern – wird im Wald rund um die – im Vergleich zu den anderen Bühnen angenehm kleine – Sisyphos-Stage, nicht auf einen industriellen Stahl-Look gesetzt. Hier steht Natürlichkeit und einen hippiesker Ökolook im Vordergrund, mit Holzpaletten und einem gemütlichen Lounge-Bereich am Gremminer See. Zusätzlich zum Öko- und Industrial-Feeling kann man sich  an der Gremmin Beach Stage auch noch eine Portion Strand-Gefühl holen. Wem das reguläre 3-Tages-Programm auf dem eigentlichen Gelände täglich ab 15 Uhr nicht ausreicht, vergnügt sich rund um die Uhr auf dem Sleepless Floor außerhalb des Geländes. Hier gibt es am kompletten Festival-Wochenende Nonstop-Techno-Beschallung. Aber auch ein breites Rahmenprogramm ist geboten, mit Zeichenkursen, Yoga, Flower Crown-, Upcycling und Nachhaltigkeits-Workshops und Podiumsdiskussionen (zum Beispiel zum Thema „Music, Style & Activism: How Female Musician Shaped My Creativity“).

Du merkst schon: Das Melt setzt auf Nachhaltigkeit – ganz nach dem Motto: „Feiern ohne schlechtes Gewissen, sei frei wie der Wind und leb dich aus, hier sind wir alle gleich.“ Ob das echt so ist, dass hier – in der anscheinend so freien und ungezwungenen Festival-Blase – alle so wild und locker und gleich sind, wage ich* an dieser Stelle mal zu bezweifeln.

Denn: Das Melt Festival ist das deutsche Coachella. Warum?

Und wenn schon. Nächstes Jahr wieder!

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http://notjanina.com/2017/08/12/melt-festival-das-deutsche-coachella/

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