Review: Das feministische Mach-Mit-Buch

Schon vor ein paar Wochen ist das feministische Mach-mit-Buch von Gemma Correll (mein erstes PR-Paket, juhu!) in meinem Briefkasten gelandet. Und endlich, endlich, EEENDLICH schaffe ich* es, eine Review zu schreiben.

Trump, Putin, Erdogan – Patriarchen sind immer noch an der Macht! Doch endlich regt sich wieder weiblicher Widerstand gegen Frauenverachtung und Sexismus: Eine neue, junge Frauenbewegung formiert sich. Da kommt dieses inspirierende Buch mit kreativen Anregungen für die junge Feministin gerade recht.

heißt es auf der Seite des Kunstmann Verlags, in dem das Buch erschienen ist.

Beim Durchblättern wird schnell klar: Das Mach-mit-Buch setzt ganz auf das Prinzip von „Mach dieses Buch fertig“ des*der kanadischen Autor*in und Illustrator*in Keri Smith. In dem eher dünnen Büchlein kann mensch sich kreativ austoben und zum Beispiel Kondomdesigns entwerfen, ein Cover für ein Zine gestalten und Shirts mit feministischen Slogans versehen.

Deshalb…

das feministische Mach-mit-Buch
tauche ich* Binden und Tampons in Blutrot. Alle Fotos: privat, Das feministische Mach-mit-Buch, Verlag Antje Kunstmann
das feministische Mach-mit-Buch
überlege ich* mir alternative Verwendungsmöglichkeiten von Menstruationstassen
das feministische Mach-mit-Buch
und designe ein Cover.

Nebenbei bekomme ich* Anregungen für mehr feministische Lektüre (ich* habe tatsächlich noch nie Mrs Dalloway von Virginia Woolf gelesen – obwohl einer meiner Lieblingsfilme sich um dieses Buch dreht. Ein guter Reminder, damit mal endlich anzufangen!). Und lerne Gemma Corrells Superfrauen kennen. Dabei sind unter anderem Biolog*in, Trans*Aktivist*in und Autor*in Julia Serano, Rapper*in Sookee und Journalist*in Gloria Steinem.

Meine Lieblingsseite: Das Social-Media-Bingo für Facebook, Instagram & Co. Da ich* selbst schon genug Hate für meine Texte bekommen habe (sowohl online als auch im ‚echten‘ Leben), finde ich* ein Bullshit-Bingo zu dem Thema eine coole Idee. Schon wegen des „Oh ja, kenne ich*, den Spruch, geht mir auf’n Sack“-Effektes.

das feministische Mach-mit-Buch
„Spiel nicht ständig das Opfer.“

Super-witzig gestaltet und teils sehr böse (unter anderem gibt es eine Seite mit Männer*-Nippeln zum Ausschneiden. Die Aufgabe: Überklebe damit Bilder von „anstößigen“ Nippel-Bildern von Frauen, damit sie sich auf Social Media und in der Öffentlichkeit zeigen können). Mir gefällt der Mix aus Kreativität, Infos und neuem Input.

Kreativ, informativ, lustig – und trotzdem …

Das Mach-mit-Buch wirbt auf dem Klappentext mit dem Slogan „Feminismus macht Spaß“. Gestaltung und Themen richten sich vorrangig an eine jüngere Zielgruppe, ein spielerischer Umgang mit dem Thema Feminismus steht im Vordergrund. Der*die Leser*in (in diesem Buch  wird übrigens nicht gegendered, was mich doch etwas verwundert) entwirft eine feministische Utopie. Und damit wird das Konzept des Mach-mit-Buches für mich schwierig. Denn eine Utopie ist eine Wunschvorstellung, eine fantastische, wirklichkeitsferne Idee. Nicht die Realität. Verändert es etwas an der Tatsache, dass ich* reale Konsequenzen für das Schreiben feministischer Texte bekomme, wenn ich* Shirts in diesem Buch mit Slogans versehe? Verschieben sich auf Geschlechterbinarität aufbauende Machtgefälle, wenn ich* lustige Kondomdesigns kritzle? Und soll/muss Feminismus Spaß machen?

Das feministische Mach-mit-Buch: mein Testurteil

Meine Meinung: Feminismus kann Solidarität schaffen, kann stärken und ja – er kann auch Spaß machen, wenn man Gleichgesinnte gefunden hat und sich austauscht, zusammen Aktionen vorbereitet. Trotzdem ist das primäre Ziel für mich nicht der Spaß. Das Ziel ist es, politisch zu sein, sich zu vernetzen, daran zu arbeiten, eine faire Gesellschaft für alle zu schaffen. Der Feminismus ist keine Wohlfühlbewegung. Es hat Konsequenzen, Feminist*in zu sein, es tut oft weh und mensch eckt damit definitiv an. Eine Frage die ich* mir außerdem stelle, wenn ich* Ausdrücke wie „die junge Feministin“ lese: Wer soll das sein? Schließlich gibt es Feminist*innen in allen Formen, Farben und Größen und so etwas wie „den*die eine“ perfekte Feminist*in gibt es nicht.

Trotz aller Kritik macht das Mach-mit-Buch auf jeden Fall Spaß. Und besonders für Menschen, die gerade erst anfangen, sich mit Feminismus zu beschäftigen und einen leicht verdaulichen Startpunkt suchen, ist es eine gute Einstiegshilfe. Hätte ich* mir dieses Buch aber selbst gekauft, wenn es nicht in meinem Briefkasten gelandet wäre? Ein verspielt-kreativer Teil  in mir schreit „JAAAA!“, ein anderer – etwas ernsterer und seriöserer – schüttelt den Kopf.

Ist meine Kritik zu harsch? Und was hältst du von Mitmach-Büchern zu politischen Themen? Ich* freu mich über deinen Kommentar 🙂

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http://notjanina.com/2017/09/17/review-das-feministische-mach-mit-buch/

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