Die AfD zieht ein: Gedanken zur Bundestagswahl 2017

Knapp 6 Millionen Menschen haben sich heute für die AfD entschieden.
6 Millionen Menschen haben sich dafür entschieden, eine klar anti-feministische, homophobe und trans*feindliche Partei zu wählen. 
Sie haben die Entscheidung getroffen, Menschen in den Bundestag einziehen zu lassen, die die LGBTQ-Community als „laute Minderheit“ mit abweichenden sexuellen Neigungen verstehen.

Menschen, die von einer zu bewahrenden, „natürlichen Geschlechterpolarität“ sprechen.
Von „Gender-Wahn“.
Die das „bewährte Leitbild der Ehe“ und die „traditionelle Familie mit Kindern bewahren und stärken“ wollen.
6 Millionen Menschen haben eine Partei gewählt, die sich klar dagegen ausspricht, „‚Einelternfamilien‘ als normalen, fortschrittlichen oder gar erstrebenswerten Lebensentwurf zu propagieren“.
Die eine auf Vielfalt basierende Sexualpädagogik ablehnt.
Die eine Abtreibungs-Beratung zum „Schutz des Lebens“ einführen will.

Ich denke darüber nach, was es bedeutet, dass im Jahr 2017 zum ersten Mal seit Ende des zweiten Weltkrieges eine klar rechts-populistische Partei in den Bundestag einzieht.

Ich denke darüber nach, wie sich dieses Wahlergebnis auf die LGBTQ-Community auswirken wird.
Ich denke darüber nach, welche Auswirkungen dieses Ergebnis auf mein Leben als queere, genderfluide Person, als Feminist*in hat.

Und ja: Ich frage mich gerade auch, ob ich einen Platz in dieser Gesellschaft habe.

Ich denke darüber nach, was es bedeutet, dass sechs Millionen Menschen in Deutschland den Aussagen der AfD zustimmen.

Ich frage mich, ob wir nun Angst haben sollen.

Und ich stelle mir die Frage, was jedem*r einzelnen von euch AfD-Wähler*innen passiert sein muss, damit ihr so geworden seid. Ihr tut mir leid. Euer beschränkter Horizont, euer Mangel an Toleranz und euer Hass – all das tut mir leid. Ihr hasst mich vielleicht – aber ich habe für euch nur Bedauern übrig.

Und ich lasse mich von euch nicht zum Schweigen bringen. Ich fürchte mich nicht vor euch.


Liebe Menschen, Bekannte und Freund*innen aus der LGBTQ-Community: Wir schaffen das zusammen. Wir existieren. Wir sind keine Modeerscheinung, keine Wahnvorstellung, kein Produkt irgendeiner verschrobenen Ideologie. Wir sind echt.

Und mit einer Sache haben die AfD-Wähler*innen recht: Wir sind laut.

Nationalismus raus aus den Köpfen.

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http://notjanina.com/2017/09/24/afd-wahl-gedanken/

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[…] wollte nicht zu den Leuten gehören, die mal wieder nur doof daneben stehen und die Klappe halten. Besonders nach der Bundestagswahl finde ich es wichtig, den Mund aufzumachen und Zivilcourage zu zeigen. Dafür wurde ich prompt mit […]