Air B’n’B-Spaß in Hamburg oder: Warum ich WGs hasse

Disclaimer: Dieser Text ist bitte nicht zu ernst zu nehmen.

Fast einen Monat lang habe ich in Hamburg in einer Air B’n’B Wohnung gewohnt. In der Wohnung hatte ich mein eigenes Zimmer mit Schreibtisch, Fernseher, einer Couch und einem bequemen Bett. Es gab eine Küche, einen Raum mit Klo, einen mit Dusche und Waschbecken. Und zwei weitere Zimmer mit jeweils drei Betten. Das sind ganz schön viele Betten für eine 60 m² kleine Wohnung.

Um diesen Text in seiner ganzen Tragweite zu verstehen, musst du über mich wissen: Die Vorstellung, in einer WG zu wohnen, ist der absolute Graus für mich. Mich nach dem Rhythmus anderer Menschen richten zu müssen; morgens in Gefahr zu laufen, auf einer von dem*der Mitbewohner*in leicht angewärmten Klobrille sitzen zu müssen; zu wissen, dass Menschen von mir erwarten, dass ich mit ihnen socialise, wenn ich vom Tag kaputt bin; nicht spontan nackt durch die Wohnung springen zu können oder mit Orangen zu duschen

Zu awkward für den Scheiß

Bevor du mich jetzt als asoziale Menschenverachter*in abstempelst, möchte ich zu meiner Verteidigung hervorbringen: Dass ich nicht mit Freund*innen, Bekannten oder sonstwem außer meinem*r Partner*in zusammenwohnen kann/will, liegt nicht daran, dass ich keine Menschen mag. Vielmehr hat es damit zu tun, dass ich mit 19 zuhause ausgezogen bin und – bis ich meine*n Freund*in getroffen habe – immer alleine gewohnt habe. Okay, abgesehen von ein paar missglückten „aus Verliebtheit unbedingt und ganz schnell zusammenziehen wollen und nach einiger Zeit feststellen, dass es nicht funktioniert“-Ausnahmen.

Ich bin das Zusammenwohnen mit anderen also einfach nicht gewöhnt. Dazu kommt, dass ich ziemlich neurotisch bin und viiiiiel introvertierter, als die meisten Leute denken, wenn sie mich zum ersten Mal sehen. Deshalb brauche ich viel Ruhe zum Batterien aufladen und „vor mich hinwuseln“ ohne das Gefühl zu haben, für andere funktionieren zu müssen.

Willkommen im Air B’n’B Wunderland

Trotzdem wollte ich alle Erfahrungen mitnehmen, mich auf alles einlassen, nicht kritisch sein. Mein Plan: Mit jedem Gast ein wenig plaudern – und wer weiß, vielleicht treffe ich spannende Menschen, Leute, die meinen Horizont erweitern und die stylish und sympathisch und weltoffen und queer sind. Und dann würden wir zusammen abhängen, wie die coolen Kids es tun.

Ich sah uns schon zusammen durch Hamburg streifen, meine hippen neuen Freund*innen und mich. „Schaut nur, wie extrovertiert und likeable ich bin!“, hätte ich vorbeilaufenden, neidischen Menschen mit meinen Blicken signalisiert und meinen Kopf in den Nacken geworfen beim Lachen. Und natürlich ge-Instagram-t was das Zeug hält. Ich sag dir, ich hätte Instagram-Stories erstellt! Und gesnappt! Du wärst so neidisch geworden.

Auf Wiedersehen, neues extrovertiertes Ich

Doch leider sah die Realität ein wenig anders aus. Denn ich war der einzige Gast, der über einen längeren Zeitraum in der Wohnung geblieben ist, während die Besetzung der anderen Zimmer ständig wechselte. Irgendwann wurde mir das ständige Namen- und Gesichtermerken und Smalltalken einfach zu mühsam. Und während ich am Anfang wirklich, wirklich versucht habe, mich auf das WG-Leben einzulassen, entwickelte ich nach einiger Zeit in meinem Air B’n’B merkwürdige Überlebenstechniken mit denen sich wohl nur Menschen identifizieren können, die entweder

– selbst schon eine lange Zeit alleine leben und/oder

– introvertiert und/oder

– schnell sensorisch überfordert und/oder

– chronisch krank sind und deshalb mehr Ruhe brauchen als andere Menschen und/oder

– eine gewisse Portion soziale Angst mitbringen.

Auf dich trifft all das zu? Juche! Willkommen in meiner Welt! Lets be friends!

Was das für Techniken sind, fragst du dich? Hier einige Beispiele.

 Während ich diesen Text schreibe, wird mir immer klarer: Mit mir zusammenzuleben, muss eine wahre Freude sein. Respekt an den*die Freund*in. 

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http://notjanina.com/2017/10/08/air-b-n-b-und-ich-keine-freunde/

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