Damit du es nicht tun musst: Masterarbeit in drei Monaten (Pt. 1)

Und wieder einmal ist es Zeit für einen neuen Beitrag aus der Kategorie „Damit du es nicht tun musst“. Während ich mich bisher für meine Selbstversuche zwar intensiv – zuletzt zum Beispiel auf dem Oktoberfest – gequält habe, war der Schmerz und die Scham wenigstens nach ein paar Stunden vorbei. Text im Kasten, haha, alle freuen sich, super gemacht. Aber nicht dieses Mal. Dieses Mal denke ich langfristig. Eine ganz neue Art der Selbstkasteiung quasi. Denn für meinen neuen Selbstversuch schreibe ich meine Masterarbeit. In drei Monaten.

Warum mache ich das eigentlich?

Die kurze und knappe Antwort auf diese Frage lautet: Weil ich mich gern selbst quäle. Die etwas komplexere: Ich schiebe meine Masterarbeit schon seit Mitte 2016 vor mir her. Obwohl ich nicht bei Null anfange – ich habe ein Thema, die Literaturrecherche ist so gut wie abgeschlossen und ich habe sie im Kolloquium mit meinen Kommiliton*innen diskutiert – ist seit mittlerweile fast anderthalb Jahren nichts mehr passiert. Denn Mitte 2016 sind mein Umzug nach München, der neue Job und ungefähr 1.000 verschiedene Projekte, die ich alle versuche, in meiner Freizeit unterzubringen, dazwischengekommen.

Trotzdem: Manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen kann, höre ich ganz leise ein Stimmchen aus Richtung meines fetten Masterarbeits-Literatur-Ordners, das leise säuselt: „Huhu, ich bin immer noch hier! Hast du mich etwa schon vergessen?!“

Üblicherweise schleudere ich meinem schlechten Gewissen dann ein fröhliches: „Fresse, ich arbeite Vollzeit und hab noch ein zweites Studium und blogge und Therapie und überhaupt … Du Arsch!“, entgegen. Gute Argumente, wie ich finde. Da mein zweites Studium an einer Fern-Uni nun aber beendet ist (kurzes „whohoo“ an dieser Stelle!) kann es nun weitergehen.

In drei Monaten eine Masterarbeit schreiben: geht das?

Wenn mir noch vor einer Woche jemand gesagt hätte, dass es möglich ist, in drei Monaten eine Masterarbeit aufs Papier zu bringen, hätte ich wahrscheinlich nur spöttisch gelacht: „Klar geht das, aber wahrscheinlich bist du danach so fertig mit der Welt, dass du erstmal ein halbes Jahr Urlaub brauchst.“ Aber kann man dieses Ziel erreichen, ohne nachher total am Ende zu sein? Und bringe ich das mit meinem Job und der Therapie und dem Bloggen unter einen Hut?

Wenn es nach Ernst Neumeister geht, ist das tatsächlich möglich. Ernst ist der Autor von „Ein gutes Ziel“ – einem Arbeitsbuch, das dir dabei helfen soll, dein wichtigstes Ziel in drei Monaten zu erreichen. Dabei soll es jedoch mehr als ein „schnödes Motivationsbuch“ sein.

Auf der Website zum Buch betont der*die Autor*in:

Ein gutes Ziel bietet dir anhand ausgewählter Tools und des Wochenplans die Leitplanken, die dich immer auf dem richtigen Weg halten. Indem du dein großes Ziel in kleine Abschnitte aufteilst, bezwingst du jede noch so angsteinflößende Aufgabe, bleibst fokussiert und motiviert. Große Dinge entstehen nicht durch einen großen Kraftakt, sondern eben durch viele kleine Schritte.

Anstatt alles auf einmal erreichen zu wollen und am Ende nur überfordert und ohne Ergebnisse dazustehen, setzt das Buch also auf Struktur und Minischritte.

Schön und gut. Aber wie funktioniert das genau?

Ordnung machen

Damit du dein Ziel möglichst stressfrei erreichst, wirst du dir im ersten Schritt erst einmal darüber klar, welche Ziele und Träume du überhaupt in deinem Leben so hast. Ich habe also erst einmal alle Wünsche und Träume zusammengetragen, die mir eingefallen sind. Danach habe ich mithilfe des Buches Ordnung geschafft und meine Träume verschiedenen Oberkategorien zugeordnet, die sich von mensch zu mensch unterscheiden können. Das sind meine persönlichen Oberkategorien mit einigen ausgewählten Zielen:

Gesundheit: Work-Life-Balance verbessern

Selbstverwirklichung: nach Mexiko reisen

Karriere & Finanzen: Studienkredit abzahlen

Familie: öfter mit Oma und Opa sprechen

Freunde: sich regelmäßiger bei alten Freund*innen melden

Du siehst: Ich habe lang-, mittel- und kurzfristig erreichbare Ziele. Ein langfristiges Ziel ist zum Beispiel, meinen Studienkredit abzuzahlen, während „nach Mexiko reisen“ mit Sparen mittelfristig zu erreichen ist. „Öfter mit Oma und Opa sprechen“ kann ich sogar kurzfristig.

Mein „wahres Warum“

Nachdem ich meine Ziele geordnet habe, erkunde ich mein „wahres Warum“ – meine tiefgreifende Motivation, die mir dabei helfen soll, Durchhänger zu überbrücken. Ich gehe also tiiiiiief in mich und frage mich ganz ehrlich, warum ich meine Masterarbeit eigentlich schreiben will. Und bohre nach. Insgesamt fünf mal hake ich nach und komme schließlich bei meiner wahren Motivation an:

Nachdem meine Eltern sich scheiden lassen haben, musste meine Mutter sich oft Sorgen ums Geld machen. Es reichte zwar immer irgendwie aus, aber etwas gönnen konnten wir uns nicht. Oft waren wir von Ämtern abhängig. Ich will keine Angst vor Armut haben müssen. Ich will unabhängig sein. Außerdem pisst mich die sexistische Kackscheiße in diesem speziellen Online-Forum an.

Autsch. Aber ehrlich. Und wenn der Wunsch nach Unabhängigkeit und der Kampf gegen Sexismus keine gute Motivation sind, dann weiß ich auch nicht.

Sei S.M.A.R.T.

„S.M.A.R.T“ steht für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Mit diesen Parametern wird aus meinem schwammigen Ziel ein konkretes. „Ich schreibe meine Masterarbeit“ wird zu:

In drei Monaten plane und schreibe ich eine 70-seitige Masterarbeit, in der ich das Thema „Hate Speech und Regulation von Sprache in Online-Communities“ diskurstheoretisch diskutiere. Dieses Ziel möchte ich erreichen, weil ich einen Beitrag rund um die Debatte zur Meinungsfreiheit beitragen und mich für die Rechte von Frauen* und Menschen aus der LGBTQI-Community einsetzen will. Die Korrekturphase und das Formulieren eines abschließenden Fazits findet nach den drei Monaten statt.

Und danach?

Wie wird es mir nach diesen drei Monaten gehen? Was werden Freund*innen, Familienmitglieder und Bekannte sagen? Wie feiere ich das Erreichen meines Ziels? Manchmal sagt ein Bild mehr als 1.000 Worte.

Masterarbeit in drei Monaten schreiben? Easy.
Masterarbeit in drei Monaten schreiben? Easy. Foto: Mein eigenes Werk/“Ein gutes Ziel“

Belohnungsprinzip

Wie war das mit der Konditionierung nochmal? Externe Stimuli – in diesem Fall Belohnungen – lösen positive Emotionen aus. Die Erwartung an die Belohnungen bringt mich dazu, ein bestimmtes Verhalten – in diesem Fall: Zwischenschritte, die ich auf dem Weg zu meinem Ziel erreichen muss – zu wiederholen.

Bei „ein gutes Ziel“ funktioniert die Konditionierung nach dem Muster: Schreibe alle Schritte, die du auf dem Weg zu deinem Ziel vor dir hast, ganz genau auf. Notiere dir dazu, wie du dich für jeden erreichten Schritt belohnen wirst. Die Art der Belohnung hängt natürlich von der Größe des erreichten Schrittes ab. So belohne ich mich zum Beispiel mit einem Kakao, wenn ich eine*n Betreuer*in gefunden habe. Wenn ich einen der großen – und für mich furchteinflössenden, weil „wuseligen“ – Zwischenschritte wie „Literatur sortieren“ erreicht habe, gehe ich ins Kino.

Da ich aus Erfahrung weiß, dass ich mich mit dem Belohnen ziemlich schwer tue, habe ich den*die Freund*in mit ins Boot geholt: Mit ihm*ihr bespreche ich regelmäßig den aktuellen Stand und er*sie sorgt dafür, dass ich neben der Arbeit das Belohnen nicht vergesse.

Sprich darüber!

So, und jetzt rate mal, warum ich so einen ausführlichen Blogbeitrag über mein Ziel schreibe? Genau: Damit möglichst viele Leute mitbekommen, was ich vorhabe. Auch das ist nach Ernst Neumeister nämlich wichtig, um nicht doch einen Rückzieher zu machen: „Du wirst wertvolles Feedback bekommen, andere werden kritische Fragen stellen und dich dadurch weiterbringen. Und am Ende wissen so viele davon, dass du es einfach angehen musst, damit du dich nicht zum Horst machst.“ (Ein gutes Ziel, Seite 25).

Und jetzt?

So, jetzt kennst du meinen bösen Masterplan. Nächster Schritt: In einem Drei-Monats-Plan die verschiedenen Etappen meines Vorhabens eintragen. Und dabei realistisch bleiben. Wie du dir bestimmt denken kannst, werde ich in den nächsten drei Monaten auf ziemlich viele spaßige Dinge verzichten müssen – leider auch aufs Bloggen. Das finde ich sehr schade, weil mir das Schreiben hier unglaublich viel Spaß macht. Ich werde aber in unregelmäßigen Abständen von mir hören lassen. Schließlich sollst du, nachdem ich so viel von meinem Ziel geschrieben habe, auch erfahren, wie ich denn vorankomme. Bestimmt werde ich meinen Blog auch nutzen, um meine Gedanken an einigen „Wusel-Stellen“ zu ordnen.

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http://notjanina.com/2017/11/05/selbstversuch-drei-monate-masterarbeit-1/

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Ey, das Buch brauch ich. 😀

Unbedingt – dann können wir Zielpartner*innen sein

spannend. spannend. freue mich davon zu lesen. viel erfolg. 😉